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Dynamische Mountainbike-Fotos

Dynamische Mountainbike-Fotos

In meinem gestrigen Beitrag hatte ich ja versprochen, noch ein paar Sätze zu meinen diesjährigen „Rad am Ring“-Fotos zu schreiben.

Die Fotos, die Ihr hier seht, entstammen einer Serie, in der ich versucht habe, die Bewegung der Mountainbike-Fahrer einzufangen und ein wenig (und manchmal auch ein wenig mehr) Dynamik ins Bild zu bringen. Dies gelingt auf Fotos eigentlich am besten über Bewegungsunschärfe. Diese kann man beim Fotografieren durch geschicktes Wählen der Aufnahmeparameter (Belichtungszeit, Blende, ISO-Wert) beeinflussen. Auf diese Weise ist sehr viel möglich und ich möchte daher speziell darauf hinweisen, dass die hier gezeigten Bilder im Wesentlichen so während der Aufnahme entstanden sind und die gezeigten Effekte nicht mittels Bildbearbeitung nachträglich hinzugefügt wurden.

Belichtungszeit: Schärfe vs. Dynamik

MountainbikerDer wesentliche Punkt der oben genannten ist die Belichtungszeit, denn sie entscheidet bei sich bewegenden Objekten darüber, wie scharf diese abgebildet werden. Jeder von Euch kennt wahrscheinlich die Grundregel, die folgendes besagt: Je schneller sich ein Objekt bewegt, desto kürzer muss die Belichtungszeit sein, damit es scharf abgebildet wird. Wenn man diese Regel beherzigt, entstehen Fotos wie dieses Beispielbild (aus einer älteren Serie, Belichtungszeit irgendwas um die 1/1000 sec.), auf dem das Objekt der Begierde komplett scharf abgebildet wird. Dies gilt auch für die Umgebung, die im Bereich der Schärfentiefe ebenfalls scharf ist.

Dies kann durchaus so gewollt sein; bei vielen Sportfotos wird so verfahren, vor allem, wenn sie hauptsächlich einen dokumentarischen Zweck verfolgen und die Sportler samt Umfeld einwandfrei erkennbar sein sollen. Gerade bei sehr schnellen Sportarten kann das fotografische „Einfrieren“ der Bewegung durchaus reizvolle Fotos ergeben und Dinge offenbaren, die dem menschlichen Auge normalerweise verborgen bleiben.

Allerdings wirken diese Fotos oftmals etwas starr und lassen die gewünschte Dynamik vermissen. Eine Möglichkeit, dies zu lösen besteht darin, die Belichtungszeit zu verlängern. Und, wer hätte das gedacht, schon wirkt das Ganze wesentlich dynamischer, die Bewegung wird plötzlich sichtbar. Mit einem großen Nachteil: Das sich bewegende Objekt wird verwischt und unscharf, während die Umgebung weiterhin in perfekter Schärfe alle Details erkennen lässt.

Rund_in_Rheinbach_2015-22Auch dies kann unter Umständen gewollt sein, ist aber eher seltener der Fall. Die Lösung: Wir bleiben bei der längeren Belichtungszeit, bewegen beim Auslösen die Kamera aber mit dem Objekt mit, so dass dieses während der Belichtungszeit an derselben Stelle im Sucher verbleibt. Diese Technik ist als „Mitziehen“ oder „Panning“ bekannt und führt im Idealfall dazu, dass das Objekt scharf abgebildet wird während die Umgebung in gnädiger Unschärfe verschwimmt. (Beispielbild aus der letzten „Rund in Rheinbach“-Serie)

Dynamik extrem: Bewegung plus Blitz

Soweit, so gut. Eine geeignete Umgebung vorausgesetzt, lässt sich dieser Effekt sogar noch steigern; und zwar mit Hilfe eines Blitzes. Dazu geht Ihr folgendermaßen vor: Im manuellen Modus der Kamera wählt Ihr die Einstellungen so, dass das Foto ein gutes Stück unterbelichtet würde. Wie stark diese Unterbelichtung ausfällt, ist Euch überlassen, hier ist ein wenig Experimentieren angesagt. Auf jeden Fall sollte möglichst wenig Umgebungslicht auf Euer Objekt fallen. Achtet auch darauf, dass Ihr dabei eine relativ lange Belichtungszeit wählt; im Falle der Mountainbiker lag sie bei 1/60 sec. und länger. (Hier kommt übrigens die oben erwähnte „geeignete Umgebung“ ins Spiel. Ist es nämlich so hell, dass Ihr selbst bei ISO 100, kleinster Blende und der gewünschten Belichtungszeit nicht die notwendige Unterbelichtung hinbekommt, wird es nicht funktionieren. Eine Stelle im Wald mit dichtem Blätterdach ist daher für diesen Zweck selbst im Sommer ideal.)

Dann installiert Ihr den Blitz an der gewünschten Stelle und regelt ihn so ein, dass Euer Objekt korrekt belichtet wird. (Ihr könnt den Blitz auch auf der Kamera lassen, allerdings werden die Ergebnisse meiner Meinung nach beim entfesselten Blitzen besser.) Wenn nun Euer bewegtes Objekt – also in meinem Beispiel der Moutainbiker – an Euch vorbeirauscht und Ihr im richtigen Moment auslöst, wird er vom Blitz beleuchtet, während die Umgebung lediglich das mickrige Umgebungslicht abbekommt. Aufgrund der sehr kurzen Abbrennzeit des Blitzes wird dabei der Biker in seiner Bewegung „eingefroren“, selbst wenn Ihr die Kamera währenddessen bewegt (z.B. mitzieht).

Wie das Foto letztendlich wirkt, kommt sehr darauf an, wieviel Umgebungslicht auf den Biker fällt. Ist es sehr wenig, wird er perfekt eingefroren und wird knackscharf abgebildet. Bekommt der Biker mehr Umgebungslicht ab, entstehen Schlieren, die durchaus interessant wirken können. Den Einfluss des Umgebungslichtes könnt Ihr unter anderem wieder mit der Belichtungszeit steuern. An den folgenden Beispielbildern könnt Ihr in etwa nachvollziehen, wie sich unterschiedliche Belichtungszeiten auswirken. Die angegebenen Belichtungszeiten sind aber nur Richtwerte; die Ergebnisse können je nach Lichtsituation ganz unterschiedlich ausfallen.

Auf jeden Fall ist hier Experimentieren angesagt, bis Ihr die Einstellungen gefunden habt, die das Foto so wirken lassen, wie Ihr Euch es vorstellt. Generell wird der Effekt umso heftiger ausfallen, je länger die Belichtungszeit ist und je stärker Ihr die Kamera bewegt. Wer es auf die Spitze treiben will, kann es zusätzlich auch noch mit dem Zoom-Effekt versuchen, bei dem während des Auslösens hinein- oder herausgezoomt wird.

Belichtungszeit: 1/50 sec.:  Die Umgebung ist etwas unterbelichtet, aber noch erkennbar, der Fahrer wird scharf abgebildet.
Belichtungszeit: 1/50 sec.: Die Umgebung ist etwas unterbelichtet, aber noch erkennbar, der Fahrer wird scharf abgebildet. Gut zu erkennen: Der hintere Fahrer wird nicht vom Blitz beleuchtet und verschwimmt mit dem Hintergrund.
1/50
Ebenfalls 1/50 sec. Alles, was vom Blitz beleuchtet wird, ist scharf. Wenn man genau hinsieht, erkennt man am Fahrer erste leichte „Wischspuren“.
1/40
1/40 sec. Hier wird der Effekt schon deutlicher. Vor allem der Unterschied zwischen Vorder- und Hinterrad ist interessant. Am Hintergrund sind die relativ heftigen Kamerabewegungen zu erkennen.
1/40
Ebenfalls 1/40 sec.
1/25
Jetzt wird’s schon heftig: Bei einer Belichtungszeit von 1/25 sec. fällt schon sehr viel Umgebungslicht auf den Biker. Trotzdem ist das Gesicht immer noch scharf und bietet dem Auge des Betrachters einen guten Orientierungspunkt, so dass nicht alles in der Bewegungsunschärfe untergeht.
Rad_am_Ring_2015_8
Das ist jetzt wirklich extrem: Nochmal 1/25 sec. mit heftiger Bewegungsunschärfe und fast künstlerischer Anmutung.

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