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Wieder was gelernt

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Was für ein Wochenende. Warum man manchmal sogar dann etwas lernen kann, wenn die eigentliche Übungsstunde ins Wasser fällt, warum Vorbereitung manchmal mehr ist als das halbe Leben und was das Ganze mit facebook zu tun hat, möchte ich Euch heute erzählen. Doch am besten mal von Anfang an.

Theoretisch beste Trainingsbedingungen

Schon letztes Jahr war ich am Nürburgring an der Mountainbike-Strecke von „Rad am Ring“ dabei, und dasselbe hatte ich auch dieses Jahr wieder vor. Denn, ehrlich gesagt, es gibt wohl kaum eine bessere Trainingsmöglichkeit für die Mountainbike-Fotografie als ein 24-Stunden-Rennen auf einem abwechslungsreichen Rundkurs. Man hat die Auswahl aus unzähligen attraktiven Fotopunkten (oder „Spots“, wie der Insider gerne sagt), an denen der ambitionierte Fotograf die unterschiedlichsten Techniken ausprobieren und trainieren kann: enge Kurven, steile Anstiege und schnelle Abfahrten mit Sprüngen, das Ganze teilweise im Wald, teilweise auf der Freifläche mit Blick auf eine reizvolle Landschaft. Das alles sehr gut zu Fuß zu erreichen; vor allem den ganzen Tag lang und wenn es richtig gut läuft und das Wetter mitspielt, erlebt man dabei auch die unterschiedlichsten Beleuchtungsverhältnisse von strahlendem Sonnenschein bis totaler Finsternis, die nur durch die Helmlampen der Fahrer durchbrochen wird.

Während sich also die Fahrerinnen und Fahrer auf der Strecke abmühen, bieten sich dem lern- und einsatzwilligen Fotografen – genügend Vorrat an Akkus und Speicherkarten vorausgesetzt – bei solch einer Veranstaltung optimale Trainingsmöglichkeiten. Normalerweise.

Man kann nicht alles planen

Doch dieses Jahr war alles anders. Schuld daran war Zeljko, ein kleines aber fieses Sturmtief, das am Samstag hier im Westen der Republik vor allem Nordrhein-Westfalen mit Sturm und Regen beglückte. Diese widrigen Wetterbedingungen führten nun dazu, dass zahlreiche Starts, darunter auch das 24-Stunden-Mountainbikerennen, zunächst einmal um drei Stunden nach hinten verschoben wurden, da der Wind dann schnell nachlassen würde. Ok, kein Problem, denn bei dem Wetter im Wald herumzutoben wäre ohnehin nicht empfehlenswert gewesen. Diese Info wurde auch recht zügig über die Internetseite des Veranstalters verbreitet. Ich für meinen Teil dachte mir nur, dass mir ein Beginn des Rennens am Nachmittag statt wie geplant um die Mittagszeit auch recht wäre und wollte mich über die besagte Internetseite über die Planungen der Veranstalter auf dem Laufenden halten.

Irgendwann am Nachmittag ging die Internetseite offline. Hoffnungsloser Optimist der ich nun einmal bin vertraute ich darauf, dass der Start am Nachmittag wie angekündigt stattfinden würde und machte mich auf den Weg zum Nürburgring (45 Minuten Autofahrt durch die Eifel). An der Rennstrecke angekommen, empfing mich ein einsamer Streckenposten mit der wenig ermunternden Nachricht, dass das Rennen frühestens um 20 Uhr gestartet würde. Wenn überhaupt.

Also wieder zurück nach Hause. Ins Internet geguckt – Seite immer noch offline – und geärgert. Meine Idee war dann, es am nächsten Morgen noch einmal zu versuchen.

24 Stunden sind nicht immer 24 Stunden

Am Sonntagmorgen dann die frohe Botschaft: Die Internetseite läuft, das Rennen auch, gestartet am Samstag kurz nach 20 Uhr. Na, alles bestens. Ich in meiner jugendlichen Naivität dachte mir natürlich: Das Ding heißt doch 24-Stunden-Rennen; wenn es also gestern um 20 Uhr gestartet wurde, läuft es bis heute Abend. Zeit genug, um erst einmal gemütlich zu frühstücken und sich dann auf den Weg zu machen.

Dass das eine doofe Idee war, erkannte ich, als ich so gegen halb zwölf wieder an der Strecke ankam und erfuhr, dass das Rennen trotz des verschobenen Starts bereits um 13 Uhr beendet würde. 24 Stunden hin oder her. Ich hatte also noch knapp 90 Minuten, um zumindest ein paar Fotos zu machen. Wieder geärgert.

Was lernen wir daraus?

Im Nachhinein erfuhr ich, dass die Infos über die geänderten Start- und Endzeiten über die facebook-Seite des Veranstalters verbreitet wurden. Natürlich hätte ich auch selbst auf die Idee kommen können, danach zu suchen, aber irgendwie kann ich mich an diese Art der Kommunikation nur schlecht gewöhnen. Das sollte ich aber vielleicht tun, denn tatsächlich ist mir schon öfter aufgefallen, dass ein Großteil an aktuellen Informationen, sei es von Event-Veranstaltern oder Sportvereinen, mittlerweile über facebook und nicht mehr über deren offiziellen Internetseiten laufen. Dort spielt die Musik, auch wenn es mir nicht gefällt. Punkt eins.

Zweitens hat sich wieder einmal gezeigt, dass eine vernünftige Vorbereitung und Information das A und O einer erfolgreichen Fotoaktion sind. Das auch von mir (immer noch zu oft) praktizierte „wird schon so sein“ und „das sehen wir dann vor Ort“ kann auch mal ordentlich in die Hose gehen. In diesem Fall habe ich zwar „nur“ sinnlos ein paar Liter Benzin verheizt und unnötig Lebenszeit auf der Landstraße verplempert, wenn aber beispielsweise ein konkreter Fotoauftrag dahinter steht, kann es ganz anders aussehen. Und für Leute, die gerne spontan vor Ort entscheiden gibt es einen Trost: Auch die beste Vorbereitung garantiert keinen reibungslosen Ablauf, und es wird in jedem Fall immer noch genug Raum (und oftmals auch die Notwendigkeit) für Improvisationen geben.

Ach ja – die Fotos

Die Zeit war knapp, daher habe ich mich auf eine Stelle der Rennstrecke beschränkt. Meine Idee war, ein wenig mit Bewegungsunschärfe und Blitz zu experimentieren. Da dieser Blogbeitrag schon länger geworden ist, als ursprünglich beabsichtigt (ich denke aber, Ihr könnt das vertragen), werde ich auf die Fotos und die verwendeten Techniken in meinem nächstenBeitrag näher eingehen. Daher hier zunächst nur folgende Stichwörter: Belichtungszeit, Umgebungslicht, Blitz, Bewegungsunschärfe, Mitzieher, Zoom-Effekt. Ich finde, Ihr dürft gespannt sein…

Rad am Ring

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  1. Pingback: Dynamische Mountainbike-Fotos - Sportfotografie Stefan Wiede

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